Globale Machtverschiebungen in Wirtschaft und Politik

6. November 2012, KKL Luzern

Seit der Wende von 1989 hat sich das Gesicht der Welt stark verändert. In jüngster Zeit ist das Weltgefüge sogar schneller und tiefgreifender im Umbruch als vermutlich je zuvor. Die Auswirkungen sind insbesondere auf der wirtschaftlichen und politischen Ebene erkennbar.

Aus ökonomischer Sicht hat der weltweite Wettbewerb im Zuge der Liberalisierung, Globalisierung sowie der Öffnung Chinas in den letzten zwei Jahrzehnten an Intensität zugenommen. Mehr Markt und der wirtschaftliche Vormarsch der grossen Schwellenländer stimulieren das Wirtschaftswachstum, fordern aber gleichzeitig heraus. Für Unternehmen bedeutet dies, dass sie sich in der internationalen Konkurrenz nur behaupten können, wenn sie den Herausforderungen des Weltmarktes langfristig gewachsen sind. Wachstum hat aber auch den Kampf um knappe Ressourcen verstärkt. Dazu gehören namentlich Rohstoffe, Energie und nicht zuletzt Wissen. Die Finanz- und Schuldenkrise schwächt besonders die davon betroffenen Industrieländer, allen voran Europa. Die EU befindet sich in der grössten Bewährungsprobe ihrer Geschichte.

In der politischen Perspektive verschieben sich gewisse Gleichgewichte, die bis vor kurzem als stabil galten. Die Vormachtstellung der USA wird in Frage gestellt. Europa sieht sich zunehmend gezwungen, seinen Platz im Weltgefüge, aber auch den eigenen Integrationsprozess, zu überprüfen. Gleichzeitig streben neue globale Akteure nach mehr politischem Einfluss. Die Erweiterung der G8 zur G20 ist ein sichtbares Zeichen dafür, derweil die WTO sich seit Jahren selbst blockiert. Darüber hinaus gefährden grosse Konfliktherde immer wieder die geopolitische Stabilität. Die Beispiele Afghanistan, Irak, Nordafrika oder jüngst Syrien verbreiten weltweit und langfristig politische Unsicherheiten mit zum Teil noch nicht absehbaren Folgen. Stehen wir am Anfang einer neuen Weltordnung?

Es macht den Anschein, als würden die Karten um globale Vormachtstellungen neu gemischt. Welche Faktoren aber bestimmen letztendlich den künftigen Gang des Weltgeschehens? Wie befreit sich Europa aus seiner brenzligen Situation – wie sieht sein transatlantisches Verhältnis und jenes zu den mächtigsten asiatischen Ländern oder auch zu Russland und zur Türkei künftig aus? Und welchen Weg geht die Schweiz in diesem globalen Sturm? Diese und weitere Fragen stehen im Mittelpunkt des 23. internationalen Europa Forum Luzern.