Ein Interview mit Morten Hannesbo, Quästor EFL

Ein Interview mit Morten Hannesbo, Quästor EFL

28.10.2021/efl

Lernen Sie in diesem Interview unseren Quästor, Morten Hannesbo, näher kennen. Im Interview sprachen wir über seine Motivation für das Europa Forum Luzern und warum das Forum so wichtig für die Schweiz und Europa ist.

 

Warum engagieren Sie sich für das Europa Forum Luzern? 

Ich bin Däne und wohne in der Schweiz. Ich sehe mich aber vor allem als Europäer. Und ich weiss, dass Vernetzung zwischen den einzelnen europäischen Ländern wichtig ist. Frieden besteht nur, wenn wir uns mögen. Für die Schweiz, die in der Mitte Europas liegt, gilt das umso mehr. Viele Schweizerinnen und Schweizer sind aber skeptisch gegenüber der EU und anderen europäischen Ländern. Sie sehen die EU als grosses Monster. Das finde ich sehr schade. Ich sehe die EU als Verbündeter, der die gleichen Ziele hat wie wir, aber einfach anders vorgeht. Wenn ich beim Europa Forum Luzern einen kleinen Beitrag leisten kann, dass die Schweiz die Vorteile der EU erkennt, finde ich das sehr wertvoll.

 

Ist das die wichtigste Aufgabe des Forums? Die Wahrnehmung der EU in der Schweiz zu verbessern?

Ja, ich denke schon. Als Diskussionsplattform und Informationsstelle für Europa-Fragen kann das Europa Forum viel bewirken. In der Schweiz wird leider oft unterschätzt, wie wichtig die EU als Partnerin ist. Sie ist die grösste Handelspartnerin überhaupt, nicht die USA und auch nicht China. Es leben und arbeiten auch viele EU-Bürger in der Schweiz. Das wird nicht so geschätzt, wie es sollte. Ich sage aber nicht, dass die Schweiz der EU beitreten sollte. Es gibt andere Wege, eine gute Beziehung zu gestalten.

 

Bewirkt das Europa Forum in diesem Bereich denn etwas?

Ich glaube schon, auch wenn wir in den letzten 20 Jahren nicht die Wirkung hatten, die wir wollten. Wir waren lange ein kleines Forum mit einem Jahresanlass. Bevor ich für das Executive Committee angefragt wurde, kannte ich das EFL gar nicht. Jetzt bin ich dort neben meiner Aufgabe als Kassenmeister für die strategische Ausrichtung mitverantwortlich. Und ich sehe, dass vieles im Gang ist, beispielsweise kommen weitere Aktivitäten und Veranstaltungen dazu. Ich bin deshalb guter Hoffnung, dass wir die Wirkung erhöhen werden können. Es braucht aber einen langen Atem und viel Unterstützung von Politik und Wirtschaft.

 

Das Europa Forum muss in der Schweiz also noch präsenter werden.

Genau, aber auch das Thema Europa generell. Es kommt natürlich schon in den Medien vor, aber immer noch viel zu wenig. Und in den Köpfen der Leute wird Europa nicht als wichtiges Thema angesehen, sondern als notwendiges Übel. Das ist schade, denn wir brauchen Europa. Europa würde ohne die Schweiz auskommen, die Schweiz aber nicht ohne Europa. Wir wären viel ärmer, als wir es uns vorstellen können. Dieser Reichtum, den wir so schätzen, hat zu grossen Teilen mit dem Verhältnis zur EU zu tun.

 

Woher kommen denn diese Skepsis und dieses Desinteresse? Wie nehmen Sie das als Däne wahr?

Die Politik hat wenig dazu beigetragen, dass das Wissen über Europa gross ist. Dann machen Parteien wie die SVP sogar Stimmung gegen die EU. Die grösste Schwierigkeit ist meiner Meinung nach aber, dass die Schweiz sehr regelkonform ist. Das zeigte sich bei den Verhandlungen über das Rahmenabkommen. Die Schweiz interpretiert die Verträge zu fest und will sie ganz korrekt umsetzen. Das würden andere EU-Länder ganz anders machen und sie einfach auf ihre Art auslegen. Die Schweiz hingegen gibt sich in vorauseilender Gehorsamkeit sehr viel Mühe, alles richtig zu machen und verhält sich dann überkorrekt.

 

Mit anderen Worten: Die Schweiz ist zu kompliziert. 

Sie müsste pragmatischer sein. Die Dänen finden zum Beispiel auch Wege, wie sie mit dem EU-Gesetz leben können und steuern die Einwanderung strenger als die Holländer oder die Belgier. Die Schweiz hat sich zu stur gezeigt. Gleichzeitig hat die EU zu wenig Verständnis gezeigt. Und wenn zwei nicht miteinander reden, geht es nun mal nicht.

 

Wie wird es in den Schweiz-EU-Beziehungen weitergehen?

Ich denke, dass es früher oder später ein Rahmenabkommen geben wird. Im Moment ist die Schweizer Politik aber noch nicht bereit dafür. Es gibt zu viele Gegner. Mittelfristig sind die Folgen nicht so schlimm, langfristig muss aber eine Vereinbarung her, wie wir miteinander handeln und umgehen wollen. Sonst bleibt das ein offener Punkt, über den sich die EU immer wieder beschweren und Akzente setzen wird, wie zum Beispiel Schweizer Unternehmen den Marktzutritt erschweren. Als ehemaliger Amag-CEO weiss ich aber auch, dass die Schweiz eine wichtige Kundin der EU ist und viele Autos kauft! Wir haben also ein gegenseitiges Interesse.

 

Zur Person: 

Morten Hannesbo (58) stammt aus Dänemark und lebt seit 15 Jahren in der Schweiz. Die meiste Zeit davon arbeitete er für den Autohändler Amag, die letzten 12 Jahre als CEO. Im Executive Committee des Europa Forum Luzern ist er seit über drei Jahren. Zusätzlich ist er im Verwaltungsrat des Schweizer Sportartikelherstellers Scott, er ist Vize-Präsident des Swiss e-Mobility Verbands und Gründer des Beratungsunternehmens Dignitinis.