Studi-Blog:
All about money

04.11.2020/dhot

Geld entscheidet vieles: Auch, ob man pünktlich ist. Über Geld spricht man nicht. In England ist das anders. Ein Blog von Désirée Hotz, Studentin in London.

 

It’s All about the Money

Über Geld spricht man nicht – dass dieses Gesetz wohl eine Schweizer Erfindung ist, merkte ich ziemlich schnell, als ich in London zu studieren begann. Klar: Das Leben hier ist – im weltweiten Vergleich – auch teuer, besonders Restaurantpreise sind alles andere als erschwinglich. Aber für mich als Schweizerin – vor allem da ich mit Zürcher Preisen vertraut bin – ist der Unterschied nicht enorm. Weder bei Preisen für Dienstleistungen, noch bei den Preisen für Lebensmittel. Mir wurde jedoch rasch klar, dass ich damit die Exotin unter meinen Mitstudenten bin.

 

«Es ist doch so einfach,
einen Kredit aufzunehmen.»

 

Besonders unter den englischen Studenten wird über Geld gesprochen, wie man vielleicht über das Wetter spricht. Manchmal weiss ich kaum, wie mein Gegenüber genau heisst, da erfahre ich bereits, wie hoch der aufgenommene «Student Loan» – der aufgenommene Kredit fürs Studium – dieser Person ist und was sie sich damit gekauft hat. Ähnlich wie in den USA nehmen etliche britische Studenten einen solchen Kredit auf, um das Studium. Dieser wird gestaffelt ausgezahlt. Meist merkt man, wenn eine solche Zahlung eingegangen ist – dann leben gewisse Studenten so, als hätten sie gerade im Lotto gewonnen. Etliche Male haben mich meine Kommilitonen schon gefragt, ob ich ebenfalls einen solchen Kredit aufgenommen habe. Als ich das jeweils verneinte, konnten sie dies oft gar nicht nachvollziehen, es sei doch so einfach! Mir scheint, die Vorsicht, einen Kredit aufzunehmen, ist in der Schweiz wesentlich höher als in Grossbritannien.

Kosten, die während des Studiums anfallen, können wohl in drei Kategorien aufgeteilt werden: Studium, Wohnung, Leben. Sowohl meine Studienkosten als auch meine Miete bezahle ich direkt an die Universität, da ich in einer Unterkunft lebe, welche zu meiner Universität gehört – und somit einiges bezahlbarer ist als reguläre Wohnungen in London. In diesen «Accomodation Fees» sind dann auch gleich alle Kosten inkludiert, Strom, Internet, Wasser – was den ganzen Prozess etwas einfacher macht. Vor allem wenn man bedenkt, dass viele Studenten ja zum ersten Mal alleine leben, wenn sie an die Uni kommen. Da die Kosten fix sind, können sie gut budgetiert werden. Die einzige Variable ist eigentlich die dritte Kategorie: Leben.

Hier kann man einiges selbst beeinflussen: Wo man einkaufen geht, beispielsweise. Wholefoods – bekannt für Bio-Produkte – ist um einiges teurer als Sainsbury’s. Es lohnt sich, sich Gedanken zu machen, wo man welche Produkte kaufen möchte. Kleiner Tipp: In England ist eigentlich so ziemlich alles mit einem Ablaufdatum versehen, sogar Gemüse. Am Verfallstag werden diese Produkte dann reduziert verkauft. Besonders bei Gemüse und Früchten lohnt es sich, die Produkte kurz anzusehen. Meist kann man sie deutlich nach dem Verfallstag noch problemlos konsumieren – und so einige Pounds einsparen.

Restaurantbesuche sind, vor allem im Zentrum Londons, meist ein teurer Spass. Hier lebe ich nach der Devise: Wenn schon, denn schon. Ich gehe selten auswärts essen, so wie ich dies auch in der Schweiz tue. Denn es ist, für mich, ein Luxus, kein Must-Have. Und da es in London exzellente Restaurants gibt, gehe ich lieber selten, dafür aber gut (und eben auch etwas teurer) essen.

 

«Die Busfahrpläne hier sind
eher als Empfehlungen
zu verstehen und
nicht als konkrete Fahrzeiten.»

 

Sonstige Ausgaben können beispielsweise Clubbesuche sein, welche in London ebenfalls kostspielig sind. Aber hier macht Corona, die geltende Sperrstunde ab 22 Uhr und die Tatsache, dass man sich nur mit Personen aus dem eigenen Haushalt treffen darf, den meisten Plänen momentan sowieso einen Strich durch die Rechnung. Ich persönlich bin (ausserdem) sowieso kein grosser Fan davon.

Das Leben hier ist sicherlich nicht gratis, auch das U-Bahn-Netzwerk hat seinen Preis. Ich kenne Studenten, die deshalb lieber mit dem günstigeren Bus pendeln. Hier muss ich sagen: No way. Denn die Busfahrpläne hier sind eher als Empfehlungen zu verstehen und nicht als konkrete Fahrzeiten. Vielleicht kommt der Bus eine Viertelstunde zu spät, vielleicht etwas zu früh – oder ist das der vorherige Bus, der einfach so stark verspätet ist…? Wenn man pünktlich an die Uni kommen will, sollte man vielleicht doch lieber die Tube nehmen! So werde ich auch meinem Ruf der überpünktlichen Schweizerin gerecht.

Désirée Hotz, geboren am 23.01.2000 und aufgewachsen in Zug.

Nach dem Absolvieren des Gymnasiums in Zug begann ich mein Studium am King’s College London in Geschichte. Mit meinem Interesse an moderner europäischer Geschichte und einem generellen Interesse an politischen und gesellschaftlichen Themen war die Möglichkeit, an einer renommierten Universität in der britischen Hauptstadt studieren zu können, sehr spannend.

Ich bin das jüngste von drei Geschwistern, welche Jura und Wirtschaft studieren. Beide meiner Eltern sind Schweizer, doch konnte ich bereits in jungen Jahren viele fremde Länder und Kulturen kennenlernen. Besonders spannend fand ich beispielsweise meine Erlebnisse in Indonesien, aber auch meine Reise nach Polen prägten meine Sicht der Welt. In meiner Freizeit beschäftige ich mich mit Sport, mache selbst regelmässig Kraftsport, Musik und ich koche leidenschaftlich gerne.