Studi-Blog:
Hello aus London

06.10.2020/dhot

Letzte Vorbereitungen vor dem Unistart am King’s College London. Welche Herausforderungen stehen an und wie wirkt sich Corona darauf aus? Ein Blog von Désirée Hotz, Studentin in London.

 

Unistart mit Corona: Challenge Accepted

In den letzten Wochen vor meiner Abreise nach London wurde es auch dieses Jahr stressig, obwohl ich das ganze Prozedere schon zwei Mal erlebt habe. Mit Corona wurde es dieses Jahr ja auch eher schwieriger als leichter: Alleine das Buchen des Fluges war eine Herausforderung – muss man nun in Quarantäne oder nicht? Glücklicherweise war meine Intuition richtig, aufgrund der steigenden Fallzahlen in der Schweiz provisorisch mit zweiwöchiger Quarantäne zu rechnen. So buchte ich meinen Flug für den 6. September, so dass ich meine Quarantäne vor dem Unistart beenden kann. Meine Unterkunft in London hatte ich bereits im Frühjahr geregelt – es handelt sich um eine Studentenunterkunft der Universität des King’s College London, welche Buchungen jeweils gegen Mai entgegennehmen. Somit musste ich dort nur bestätigen, dass ich auch wirklich im September anreisen werde, da aufgrund der Pandemie etliche Studierende nicht in die britische Hauptstadt zurückkehren werden und von zuhause aus studieren.

 

«Mir fällt das Studieren
im englischen Setting einfacher.»

 

Bevor ich jeweils nach dem Sommer zurück nach London fliege, gibt es gewisse Dinge, welche ich zuerst abarbeiten muss. Mir fällt das Studieren im englischen Setting jedoch einfacher, weshalb ich mich trotz aller Unsicherheiten für eine Rückkehr entschied. Ich musste beispielsweise bei der Einwohnerkontrolle vorbeigehen, um anzuschauen, ob ich die Kriterien erfülle, noch immer als Anwohner in meinem Heimatkanton zu gelten. Da die Studienzeit in London verhältnismässig kurz ist, ich regelmässig zurückkomme und die Mehrheit des Jahres trotz allem in der Schweiz verbringe, ging das problemlos.

 

Andere, weniger administrative Pendenzen – mir aber persönlich sehr wichtig, besonders jetzt – sind Medikamente! Ja, gewiss bekommt man in London – der Metropole Europas – alle möglichen Medikamente… aber nicht die, die man kennt. Jedenfalls nicht immer. Und nach der leicht nervenden Erfahrung, wenn man wirklich krank ist, keine Medikamente griffbereit hat und dann in einer Apotheke steht und keine Ahnung hat, wonach man eigentlich sucht, habe ich nun immer eine Liste mit Medikamenten, die ich aus der Schweiz mitführe.

 

Die Reise nach London war eigentlich ziemlich normal. Die britischen Behörden verpflichten jedoch jeden Einreisenden, ein Gesundheitsformular mit Kontaktadresse, Telefonnummer und E-Mail-Adresse auszufüllen, welches man dann dem Beamten bei der Passkontrolle vorzeigen muss – die Daten werden dann per QR-Code gespeichert. So wussten die Behörden dann auch, wo ich mich in Quarantäne begeben würde. Kontaktiert wurde ich jedoch in dieser Zeit nie – wie gut das britische Kontrollsystem somit ist, bleibt mir weiterhin schleierhaft.

 

«Zwei Wochen dauerte
meine Quarantäne in meinem Zimmer.»

 

Zwei Wochen – also nochmals vier Tage länger als in der Schweiz üblich – dauerte meine Quarantäne in meinem Zimmer, in welchem ich glücklicherweise sowohl eine kleine Küche als auch ein Badezimmer besitze. Per Amazon Fresh kam ich so zu meinen Lebensmitteln, welche mir von Mitarbeitern der Unterkunft vor die Tür gestellt wurden – nach anfänglichen Schwierigkeiten des Lieferanten beim Finden meiner Adresse klappte dies problemlos. Ansonsten lernte ich schnell, wie man eine Quarantäne möglichst ertragbar gestaltet: Routine! Ich fand es hilfreich, trotzdem einigermassen früh aufzustehen, dreimal zu kochen und die restliche Zeit in Uni, Sport und Freizeit zu gliedern. Da ich dieses Jahr auch meine Bachelorarbeit verfassen werde, konnte ich mich damit auseinandersetzen, über was ich denn schreiben will. Sport half mir ebenfalls, keinen Lagerkoller zu bekommen – und auch da überrascht es mich, was man sich per Amazon alles liefern lassen kann. Yogamatte und zwei Kettlebells, ich bin also auch darauf vorbereitet, eventuell noch ein paar mal in Quarantäne gehen zu müssen.

«In der letzten Woche
vor dem eigentlichen Unistart
ist die «Fresher’s Week».»

 

In der letzten Woche vor dem eigentlichen Unistart ist die «Fresher’s Week», normalerweise gibt es da viele Parties für die neuen Studenten – dieses Jahr müssen es wohl Zoom-Meetings tun. Denn in England gilt die «rule of six», sprich: Man darf sich nicht mit mehr als sechs Personen treffen. Die Lage ist noch immer sehr unübersichtlich, aber ich bin gespannt, was dieses Jahr am King’s College für mich bereithält!

Désirée Hotz, geboren am 23.01.2000 und aufgewachsen in Zug.

Nach dem Absolvieren des Gymnasiums in Zug begann ich mein Studium am King’s College London in Geschichte. Mit meinem Interesse an moderner europäischer Geschichte und einem generellen Interesse an politischen und gesellschaftlichen Themen war die Möglichkeit, an einer renommierten Universität in der britischen Hauptstadt studieren zu können, sehr spannend.

Ich bin das jüngste von drei Geschwistern, welche Jura und Wirtschaft studieren. Beide meiner Eltern sind Schweizer, doch konnte ich bereits in jungen Jahren viele fremde Länder und Kulturen kennenlernen. Besonders spannend fand ich beispielsweise meine Erlebnisse in Indonesien, aber auch meine Reise nach Polen prägten meine Sicht der Welt. In meiner Freizeit beschäftige ich mich mit Sport, mache selbst regelmässig Kraftsport, Musik und ich koche leidenschaftlich gerne.