Zahl des Monats: Vilnius 1991

Zahl des Monats: Vilnius 1991

13.01.2021/gjor

Vor dreissig Jahren ereignete sich in Litauen das, was später als Blutsonntag von Vilnius in die Geschichte eingehen sollte. Während die Welt mit Trumps Twitter-Sperre, den ersten Folgen des Brexits und natürlich dem Coronavirus beschäftigt ist, gedenken die Litauer gerade jenem Mittwoch des 13. Januars 1991, als sowjetische Einheiten versuchten, in dem seit März 1990 unabhängigen Litauen einen Putsch durchzuführen. Von Panzern und Schüssen wurden über Tausend Personen verletzt, vierzehn Menschen verloren ihr Leben.

 

«Der Blick in benachbarte Ex-Sowjetrepubliken zeige,
dass diese den Einfluss Russlands
noch viel zu lang weiter duldeten.»

 

Litauen war damals die erste Sowjetrepublik, die sich zu einem selbständigen Staat erklärt hatte. Der sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow versuchte, mit Wirtschaftsblockaden, durch massive Geheimdienstaktivitäten und schliesslich durch Panzer, die Unabhängigkeitserklärung rückgängig zu machen. Zehntausende Litauer bauten daraufhin Barrikaden und schützten das Parlament mit ihren blossen Körpern. Mit so viel Widerstand hatte Gorbatschow nicht gerechnet. Er gab nach und zog die Truppen aus Vilnius zurück. Im August 1991 wurde Litauens Unabhängigkeit weltweit anerkannt, seit 2004 gehört das Land der Europäischen Union und der NATO an.

 

Litauen ist überzeugt, dass sich der Widerstand bis heute gelohnt hat. Der Blick in benachbarte Ex-Sowjetrepubliken zeige, dass diese den Einfluss Russlands noch viel zu lang weiter duldeten, schreibt der Chefredaktor des Litauer Onlinemediums 15min, Ruslanas Iržikevičius: Die Ukraine probiere seit der orangenen Revolution, ihre Fehler zu korrigieren, unablässig, obwohl die Schmerzen gross sind. Und die Menschen in Weissrussland würden erst jetzt anfangen, sich gegen den mächtigen Nachbarn zu wehren. Hoffentlich würden sie nicht aufgeben. Denn 30 Jahre nach dem Zerfall der Sowjetunion sei Russland wieder in eine Halbdiktatur abgerutscht.