Startup-Vibes in Arlesheim: der FK92 im uptownBasel

Startup-Vibes in Arlesheim: der FK92 im uptownBasel

29.6.2022/ef

Startup-Vibes in Arlesheim: Förderkreis-Mitglieder konnten im uptownBasel zwei Jungunternehmen kennen lernen

Das Europa Forum lud seine Förderkreis-92-Mitglieder diese Tage ins uptownBasel ein, wo sie in interaktiven Roundtable-Diskussionen Daniela Bar-Gera, Head von Plug and Play Switzerland, und Vladimir Cmiljanovic, Gründer von Swiss Rockets und RocketVax, mit Fragen löchern durften.

Sie stellten sich schlicht als Dani und Vladi vor. In der Startup-Szene sei man ja per Du. Daniela „Dani“ Bar-Gera ist Head von Plug and Play Switzerland, ein Unternehmen, das Startups scoutet und zu Wachstum verhilft. Vladimir „Vladi“ Cmiljanovic ist Ex-Handballprofi, Krebsforscher und Pharmaunternehmer. Unter anderem hat er die Firma RocketVax gegründet, die derzeit in Basel einen Covid-Impfstoff entwickelt.

Die beiden wurden vom Europa Forum ins uptownBasel eingeladen, wo sie den Mitgliedern des Förderkreis 92 einen Einblick in ihre Arbeit gaben. Davor ging es aber zuerst um die Frage, was das uptownBasel eigentlich ist. Im Gebiet Schoren in Arlesheim, wenige Kilometer südlich der Stadt Basel, wurde in den letzten Jahren auf einem 70’000 Quadratmeter grossen Grundstück ein Gebäudekomplex aus dem Boden gestampft, das sich als internationales Kompetenzzentrum für Industrie 4.0 versteht.

 

Smart Cities & Society, Industry & Robotics, Mobilität & Logistik

Ein Forschungs- und Produktionsstandort für die Industrie also. Das Ziel: Bis zu 100 Firmen und 2.500 Arbeitsplätze ansiedeln. „Es darf nicht passieren, dass die Schweiz deindustrialisiert wird“, sagte Investor Dr. Thomas Staehelin vor den geladenen Gästen. Staehelin präsidierte bis 2017 die Handelskammer beider Basel und ist zusammen mit seiner Frau Monique und seiner Familie Eigentümer des Areals. Für die Entwicklung verantwortlich ist Architekt Hans-Jörg Fankhauser.

Das Konzept des Areals sei breit, erklärte Fankhauser. Grenzen wolle man sich keine setzen, das Ziel sei, verschiedenste Talente anzulocken. „Wer weiss, wie die Industrie 4.0 aussieht? Wer weiss, welche Themen in Zukunft nötig sind?“ Mit einem guten Investor, so ist anzunehmen, ist eine solche Offenheit möglich. Clusterthemen, auf die das uptownBasel setzt, sind beispielsweise Industry & Robotic, Health Care, Smart Cities & Society und Mobilität & Logistics.

Zu den ersten Mietern gehört die Bouygues Energies & Services AG, ein schweizweit tätiges Dienstleistungsunternehmen in den Bereichen Gebäudetechnik und Prozessautomation. Ein weiterer Mieter ist Plug and Play Switzerland. Denn was eignet sich besser als ein internationaler Startup-Scout und Startup-Accelerator, um Talente anzulocken?

 

Plug and Play unterstützt Startups mit Know-how, Kontakten und Mentoren

Daniela „Dani“ Bar-Gera von Plug and Play sprach in der darauffolgenden Gruppendiskussion. Wie gelingt es, fragte sie in die Runde, dass Ideen von Startups anerkannt und nicht von R&D-Abteilungen grosser Konzerne verdrängt werden? Die Lösung: Indem auf die Unternehmen zugeschnittene Lösungen entwickelt und vermittelt werden. Hier kommt Plug and Play ins Spiel: Das Unternehmen aus dem Silicon Valley versteht sich als Vermittler und unterstützt die Kollaboration zwischen etablierten Unternehmen, Startups und Geldgebern. Fokus: Tech-Firmen.

Für Plug and Play springt eine Provision heraus, für die Jungunternehmen je nachdem ein steiles Wachstum. Erfolgsquote: Aus etwa jeder siebten vermittelten Idee entsteht ein Pilotprojekt, sagte Bar-Gera. Inzwischen habe Plug and Play ein riesiges Portfolio an Startups, darunter 33 Einhörner, also Unternehmen, die einen Marktwert von mindestens einer Milliarde erreicht haben: Dropbox, Honey oder Lending Club.

Zu den Partnerunternehmen in der Schweiz gehören beispielsweise Swiss Re, Roche oder die Schweizer Post. Doch inwiefern sind KMU involviert, wollte während des Roundtables jemand wissen. Schliesslich dominieren sie die Schweizer Unternehmenslandschaft. „Zu unseren Angeboten zählt auch Change-Management-Workshops für etablierte Firmen“, sagte Bar-Gera. „Wir wollen die gesamte Idee der Innovationskultur fördern. Deswegen ist Plug and Play auf der ganzen Welt verteilt und nicht bloss im Silicon Valley.“

 

Arbeitsschritte nicht ins Ausland auslagern, sondern in die Schweiz holen

Im zweiten Roundtable durften die geladenen Gäste Vladimir „Vladi“ Cmiljanovic über seine Firma RocketVax ausfragen, die bis Ende des Jahres in der Lage sein sollte, einen Covid-Impfstoff zu entwickeln. Derzeit steigen die Ansteckungszahlen ja wieder, und laut Cmiljanovic wird es wohl ohnehin darauf auslaufen, dass die Covid-Impfung eine saisonale Impfung wird, die jeweils aufgefrischt werden muss.

„Wie relevant ist es“, wollte Cmiljanovic von den Zuhörerinnen und Zuhörern wissen, „dass bei solch wichtigen Produkten die gesamte Wertschöpfungskette in der Schweiz ist?“ Sprich, die Abhängigkeit vom Ausland und von Konzernen wie AstraZeneca oder Pfizer kleiner ist? Sehr relevant, so der Tenor aus der Runde. Das sieht auch die offizielle Schweiz so. Cmiljanovic ist nach eigenen Aussagen in Kontakt mit den Bundesräten Guy Parmelin und Alain Berset. Und der Kanton Basel ist sogar als Investor eingestiegen: Er beteiligt sich mit zwei Millionen Franken.

„Das war ein riesiges Sprungbrett“, sagte Cmiljanovic. Es sei das erste Mal, dass sich ein Kanton in ein Startup eingekauft habe. Danach seien vermehrt auch private Investoren eingestiegen. „Es ist besser, das Know-how hier in der Schweiz zu haben“, ist Cmiljanovic überzeugt. Die dafür notwendigen Kompetenzen gebe es mit dem Universitätsspital allemal.

Was nahmen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von dem Abend also mit? Dass es bis Ende des Jahres hoffentlich einen Schweizer Corona-Impfstoff gibt, dass es in Basel bald von Startups im Tech-Bereich wimmelt – und dass die Schweizer Unternehmenslandschaft durchaus innovativ ist.

Über den Förderkreis 92

Das Europa Forum lebt von neugierigen Führungspersönlichkeiten, die sich untereinander vernetzten, tagesaktuelle Themen diskutieren und mit- und voneinander lernen möchten. Dafür gibt es unser Firmen-Netzwerk «Förderkreis 92».

Jahresübergreifend treffen sich die Mitglieder:innen des Netzwerkes mit spannenden Persönlichkeiten auf Augenhöhe. Unterschiedliche Eventformate laden ein, um sich auszutauschen und etwas für die Schweiz und Europa zu bewegen.

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